Klub-Präsident Markus Winkler hoffte in seiner Eröffnung des letzten Heimspiels des Lambertz-Teams in der Saison 2021 auf ein Sommermärchen. Bei den sonntäglichen 11 Uhr Spielen merkt man häufig, dass es eine Weile dauert bis die Zuschauer in Fahrt kommen, aber diesmal gaben die Fans von Anfang volle Unterstützung für ihre Spieler und diese dankten es mit vollem Einsatz auf dem Platz.

Einzel

Quentin Halys hatte extra eine für ihn vor den US Open noch nötige, einwöchige Regenerationsphase zwei Tage aufgeschoben, um das Team unterstützen zu können. Gegen Dennis Novak spielte er vor Allem im ersten Satz gut mit, obwohl Novak clever immer wieder Wege fand, um Halys Rückhand, seine schwächere Seite, zu exponieren. Der Franzose erarbeitete sich sogar ein Break, verlor den Satz aber doch in einem knappen Tiebreak und konnte das Tempo im zweiten Satz dann nicht mehr ganz mitgehen. 6-7(5), 2-6

Martin gibt keinen Ball verloren

Parallel war es Martin Cuevas, von seinen Mitspielern liebevoll „El Animal“ getauft, der wieder einmal wirklich alles auf dem Platz ließ. Cuevas holte sich den ersten Satz mit 6-3, verlor einen knappen zweiten mit 7-5 und rang Peter Gojowchzyk dann im Champions Tiebreak mit 10-6 nieder.

Dann trat Carlos Taberner zum Spitzenspiel gegen Philipp Kohlschreiber an. Taberner hatte zu Beginn größere Probleme als Kohlschreiber, seine Aufschlagspiele durchzubringen. Etwas überraschend gelang ihm dennoch das erste Break, woraufhin Kohlschreiber den Turbo zündete und für den Rest des Satzes extrem variantenreiches, nahezu fehlerfreies Tennis spielte. Der erste Satz ging also an Großhesselohe, aber der Deutsche konnte diese hohe Qualität im zweiten Satz nicht aufrechterhalten und fiel unter dem stetigen Druck des Spaniers fast in sich zusammen. Leider –aus Sicht der Aachener– zog Kohli für den Tiebreak noch einmal an und zusammen mit ein, zwei Fehlern von Taberner zum ungünstigsten Zeitpunkt reichte das, um Großhesselohe den zweiten Punkt zu sichern.

Vit beim Aufschlag

Währenddessen spielte Vít Kopřiva Francisco Cerundolo an die Wand, zumindest im ersten Satz. Tatsächlich stabilisierte sich der Argentinier im zweiten und gewann diesen dann auch knapp. Im Tiebreak war Kopřiva aber wieder voll da und ließ keine weiteren Zweifel daran zu, dass es mit 2-2 in die Doppel gehen würde. 6-1, 4-6, 10-3

Doppel

Punkte gegen Großhesselohe waren vor dem Wochenende nicht unbedingt eingeplant gewesen, aber zumindest ein Doppel wollte man nun doch gewinnen, damit man am letzten Spieltag mit einer guten Ausgangslage nach Gladbach reisen konnte.

Auf Platz 5 sahen die Zuschauer Vít Kopřiva und Nils Langer gegen Matthias Bachinger und Jürgen Melzer. Während diese Partie noch langsam Fahrt aufnahm hörten die Zuschauer die Zwischenergebnisse vom Center Court: 1-0 Aachen, 2-0 Aachen, 3-0, 4-0, 5-0. Kohlschreiber und Novak wurden anscheinend von Quentin Halys und Martin Cuevas überfahren und schienen weder mit der Gesamtsituation noch dem Auftreten ihres eigenen Spielpartners besonders glücklich.

Die andere Partie war indes deutlich spannender. Break um Break –Alex Legsding: „Sollte Aufschlag nicht ein Vorteil sein?“– ging es Richtung Tiebreak. Diesen entschied das Lambertz-Duo dann für die Zuschauer nervenschonend deutlich für sich. Und kaum war der erste Satz hier zu Ende gegangen war auf dem Center Court auch schon die Niederlage von Kohlschreiber/Novak besiegelt. Quentin Halys und Martin Cuevas hatten ein sensationelles Doppel abgegeben und den Aachenern so einen immens wichtigen Punkt im Abstiegskampf gesichert.

Das entscheidende Doppel

Alle Fans fanden sich am Platz 5 ein. Die Stimmung hatte sich klar gewandelt. Statt „hoffentlich ein Punkt“ sollte nun auch das vom Präsidenten erhoffte Sommermärchen wahr werden. Angetrieben von den über die Grenzen des Kurparks hinaus hörbaren Fans kämpften die Aachener um jeden Ball, jeden Zentimeter. Schließlich fiel in dem nun aufschlagbestimmten Match das Break zugunsten des Kurhaus-Teams und dies ließen sich Vít und Nils auch nicht mehr nehmen.

Die Fans feierten ihre Helden ausgelassen, die Münchner waren fassungslos, Mannheim auf einmal deutscher Meister und das Lambertz-Team war eigentlich gerettet. Eigentlich? Auf der Tribüne wurde zwischen Feierenden auch versucht im Kopf auszurechnen, ob der Klassenerhalt sogar rechnerisch sichergestellt worden war. Was konnte im schlimmsten Fall am letzten Spieltag noch passieren? Wir verlieren 0-6, Düsseldorf gewinnt, Köln-Krefeld 3-3, hmm, alles sehr knapp. Es stellte sich heraus und wurde in den folgenden Stunden sicher noch ein halbes Dutzend Male nachgerechnet, dass die Aachener im absoluten Worst Case punkt- und matchgleich mit dem 9. der Tabelle sein würden, dieser 9. aber nur auf einen Satz an das Lambertz-Team herankommen konnte. Das rettende Ufer war also mit einem Punkt im zweiten Tiebreaker erreicht. Absolute Punktlandung. Solche Geschichten schreibt nur der … Tennissport?